5G-Netzausbau: Deutsche Anbieter geben Gas

5G-Netz: Status QuoAktuell gibt es noch große Unterschiede zwischen den einzelnen Mobilfunkanbietern. (Bild: Pixabay)
mittelstandinbayern.de Online magazin

Bereits über ein Jahr ist vergangen, seitdem die Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und 1&1 Drillisch die 5G Mobilfunkfrequenzen für insgesamt 6,6 Milliarden Euro von der Bundesnetzagentur erstanden haben. Inzwischen werben die Anbieter bereits mit 5G-Tarifen und schnellem Internet mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 1000 Mbit pro Sekunde. Doch wie weit ist der Ausbau inzwischen vorangeschritten, steht 5G bereits flächendeckend zur Verfügung und welcher Anbieter ist am weitesten beim Ausbau?

Telekom mit leichtem Vorsprung

Über 3.000 Städte und Gemeinden in Deutschland hat die Deutsche Telekom bereits mit 5G versorgt. Allein in den vergangenen fünf Wochen wurden 18.000 Antennen für 5G fit gemacht und ins Live-Netz integriert. Damit können jetzt theoretisch bereits 40 Millionen Menschen 5G nutzen. Das gilt für Großstädte wie Frankfurt oder München genauso wie für kleinere Gemeinden wie Wallgau in Oberbayern, Lampertswalde in Sachsen oder die Loreleystadt Sankt Goarshausen. Und auch auf Deutschlands höchstem Berg gibt es inzwischen 5G.

„Die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland ist jetzt versorgt. 5G ist in allen Bundesländern angekommen. Das ist ein großer Schritt für unsere Kunden, unser Netz und für die Digitalisierung in Deutschland“, betont Walter Goldenits, Technikchef der Telekom Deutschland.

Reichweite und Geschwindigkeit

Um möglichst viele Menschen mit 5G zu versorgen, nutzt die Telekom das Spektrum auf der 2,1 Gigahertz (GHz) Frequenz. Die physikalischen Eigenschaften dieses Frequenzbandes ermöglichen eine hohe Reichweite. Zugleich erhöht sich auch die Datengeschwindigkeit. Im ländlichen Bereich erreicht das Netz teilweise mehr als eine Verdoppelung der Geschwindigkeit. Kunden können so mit bis zu 225 Mbit/s surfen. In Städten erreicht das Netz 600-800 MBit/s in der Spitze. Noch mehr Geschwindigkeit und Kapazität erreicht das Netz auf der 3,6 GHz Frequenz. Antennen auf diesem Band funken aktuell in Großstädten wie Berlin oder Köln. Sie erreichen Übertragungsraten von bis zu 1 Gbit/s und mehr.

Vodafone steigert Ausbau

Aktuell funken rund 1.000 5G-Antennen an mehr als 350 Standorten im Vodafone Netz. Im Laufe des Jahres will Vodafone 5G mit weiteren 8.000 Antennen für mehr als 10 Millionen Menschen in Deutschland verfügbar machen. Zudem nimmt der Mobilfunkkonzern gemeinsam mit Partnern aus der Industrie sogenannte 5G Campusnetze in Betrieb. Dafür hat Vodafone kürzlich das erste skalierbare 5G-Produkt in Deutschland vorgestellt.

Vodafone setzt beim Ausbau ebenfalls auf einen Frequenzmix: Low-Band (700 Megahertz), um Funklöcher auf dem Land zu schließen und schnelles Netz noch besser in die Häuser zu bringen; Mid-Band (1,8 Gigahertz), um Anwohner in dicht besiedelten Städten mit schnellen Netzen zu versorgen; und High-Band (3,5 Gigahertz), um Gigabit-Bandbreiten in Echtzeit in die Industrie und an die Orte zu bringen, wo viele tausende Menschen zeitgleich aufs Netz zugreifen – zum Beispiel in Fußballstadien oder an Bahnhöfen.

„Wir komplettieren unseren Technologie-Mix für 5G in Deutschland. So können wir den Ausbau optimal am Bedarf der Nutzer ausrichten. Mit hohen Frequenzen bringen wir 5G in die Industrie. Mit niedrigen Frequenzen bringen wir 5G aufs Land und noch besser in die Häuser. Und jetzt bringen wir 5G mit den mittleren Frequenzen noch stärker in die Städte“, bekräftigt Vodafone Technik-Chef Gerhard Mack.

Telefónica hinkt noch hinterher

Telefónica ist von den drei großen Mobilfunkanbietern in Deutschland beim 5G-Netzausbau am weitesten zurück. Allerdings soll auch bei O2 noch in diesem Jahr das 5G-Netz großflächig in Berlin, München, Hamburg, Köln und Frankfurt starten. Bis Ende 2022 wird das Unternehmen 30 weitere Städte in Deutschland zu 5G-Citys machen und 16 Millionen Einwohner über das O2-Netz mit 5G versorgen. „Mit 5G werden wir zum Trampolin der Digitalisierung. Durch uns können Unternehmen und Verbraucher im Digitalen höher und weiter springen“, betont Markus Haas, CEO von Telefónica Deutschland die Bedeutung des aktuellen Technologiesprungs.

Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen deshalb das bislang größte Investitionsprogramm in seiner 25 jährigen Geschichte gestartet: Bis 2022 werden rund 4 Milliarden Euro in das O2 Netz investiert – zur weiteren Verdichtung des 4G-Netzes sowie für den schnellen Aufbau einer 5G-Infrastruktur.

Der neue Player 1&1 Drillisch

Bei der Mobilfunkauktion im letzten Jahr hat auch erstmals die United Internet Tochter 1&1 Drillisch eigene Frequenzen erstanden. Doch bis auf die erstandenen Frequenzen gibt es bisher wenig zu vermelden. Da man noch kein eigenes Netz betreibt, kann 1&1 Drillisch nicht wie die drei anderen Anbieter auf eine bestehende Infrastruktur zurückgreifen. Und mit dem Bau von eigenen 5G-Antennen wurde noch nicht begonnen (Stand Juni 2020). Um in den nächsten Jahren Verbrauchen dennoch ein flächendeckendes Netz anzubieten, versucht der Neuling Roaming-Kapazitäten der etablierten Netzbetreiber anzumieten, bisher allerdings ohne Erfolg. „Wir sind am Anfang auf Roaming-Kapazitäten angewiesen“, erklärt Unternehmenschef Ralph Dommermuth gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

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