Wie steht Europa zu Huawei?

Die Europäer sind gespalten, wie sie mit Huawei in der 5G-Entwicklung umgehen sollen (Bild: pixabay).Die Europäer sind gespalten, wie sie mit Huawei in der 5G-Entwicklung umgehen sollen (Bild: pixabay).
mittelstandinbayern.de Online magazin

Wer sich für 5G interessiert, wird an Huawei nicht vorbeikommen. Seit Wochen macht das chinesische Unternehmen Schlagzeilen – sowohl positive als auch negative. Die Vereinigten Staaten werfen dem Telekommunikationsausrüster vor, Chinas Mittel zum Zweck zu sein und seine 5G-Innovationen für Spionagezwecke zu nutzen. Kein Wunder, dass die Amerikaner beschlossen haben, Huawei zu boykottieren. Aber was ist mit den europäischen Staaten?

Betrachtet man zunächst die Europäischen Union, so richtete die Kommission im März einige Empfehlungen an die Mitgliedstaaten zu diesem Thema. Obwohl Huawei nicht namentlich erwähnt wurde, wurde den EU-Ländern dringend empfohlen, die Cybersicherheit ihrer Netzwerke zu überprüfen und zu bewerten.

„Die 5G-Technologie wird unsere Wirtschaft und Gesellschaft verändern und enorme Chancen für Menschen und Unternehmen eröffnen. Aber wir können nicht akzeptieren, dass dies geschieht, wenn keine vollständigen Sicherheitseinrichtungen eingebaut sind. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass 5G-Infrastrukturen in der EU widerstandsfähig und vollständig vor technischen oder rechtlichen Hintertüren geschützt sind“, sagte der Vizepräsident der Kommission Andrus Ansip, der für den digitalen Binnenmarkt zuständig ist.

Niederlande ohne Huawei

KPN, der größte niederländische Telekommunikationskonzern, gab heute bekannt, dass er Huawei nicht für den Aufbau des 5G-Netzes in den Niederlanden nutzen wird. KPN berücksichtigt „die sich entwickelnde Bewertung des Schutzes lebenswichtiger Infrastrukturen und den damit verbundenen Einfluss auf die künftige niederländische Politik“ und „plant, einen westlichen Anbieter für den Bau des neuen mobilen Kernnetzes für 5G auszuwählen“, wie es in einer Pressemitteilung verkündet.

Ein 5G-Netzwerk besteht immer aus einem Kern- und einem Funkzugangsnetz (RAN), wodurch Geräte mit 5G verbunden werden können. Die Niederlande werden die Huawei-Technologie nun nur für den RAN-Teil, wie beispielsweise Antennen, einsetzen. Schaut man weiter nach Norden, so geht Großbritannien den gleichen Weg. Die britische Regierung erlaubt ihren Netzbetreibern zwar mit dem chinesischen Unternehmen zusammenzuarbeiten, allerdings nicht im Kernnetz.

Deutschland hingegen glaubt nicht an ein Verbot. Auch wenn sich die Bundesregierung der potenziellen Gefahr der Spionage bewusst ist, betrachtet sie einen Boykott nicht als Option. Und da liegt sie nicht ganz falsch. Ohne Huawei würde der 5G-Prozess in Deutschland vermutlich noch länger dauern als bisher. Weder Nokia noch Ericsson können Huawei als Netzlieferant ersetzen. Frankreich und Italien sind sich dieser Tatsache wahrscheinlich auch bewusst und wollen deshalb keine Maßnahmen gegen Huawei ergreifen.

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